AUSSTELLUNG AUF BURG ABENBERG

Vielen Dank für die zahlreichen Besucher trotz der schwierigen Bedingungen


Laudatio für Andreas Heindl

41. Kunstausstellung des Landkreises Roth 2020/21

Burg Abenberg, 11.11.2021

 

Vanessa Cognard

 

Wir haben mit Andreas Heindl die wunderbare Möglichkeit, einen Menschen in seiner Entwicklung hin zum Künstler zu begleiten, als Beobachter und Reflektierender seiner Zeit. Mit seiner Arbeit legt er Zeugnis ab über seinen, unseren zeitlichen Kontext, unser Tun und unser Nicht-Tun, was wir dulden zu passieren – und wie es unsere Wirklichkeit prägt.

 

Andreas ist ein fleißiger Arbeiter und gründlicher Techniker. Er beschäftigt sich genau mit seinem Malzeug, die Reaktionen der Farben, ihr Verhalten im Malprozess und ihre Leuchtkraft nach dem Trocknen. Präzise studiert und verfeinert er seine Maltechnik. Und genauso präzise komponiert er seine Bilder, hat einen klaren Plan, wie er das inszeniert, was er uns mitteilen will, fast schon wie auf einer Theaterbühne.

 

Über das künstlerisch-handwerklich Bildende hinaus zeigt uns Andreas seine Fragen. Er ist ein Mensch, der malen muss, weil es ihn im Inneren treibt, weil es ihm dann besser geht. Aber das ist nicht, was ihn als Künstler auszeichnet, sondern, weil er mit seinem Werk tief in seine Gefühlswelt eintaucht und uns an seinen Gedanken teilhaben lässt. Jedes Bild trägt eine Botschaft voller Symbolik, die von den Betrachtern gesehen werden will. Der Künstler Heindl erzählt uns in seinen Bildern Geschichten und Bedeutungen hinter dem, was wir sehen, in denen wir gedankliche Grenzen überschreiten. Er bringt seine Aussagen auf eine Metaebene, und macht also schlichtweg das, was künstlerisch Geschaffenes zu Kunst macht.

 

Seine Motive sind surrealistisch, der Mensch und seine Zukunft im Mittelpunkt. Seine Kinder standen ihm meist Modell. Ein Vater, der seine Kritik und seine Sorgen auf die Leinwand bringt. Unser Erbe an die nächste Generation. Plakativ, intensiv in der Farbgebung, aber niemals bunt. Trotz der intensiven Farben schwebt ein melancholischer, monochromer Schleier über den Bildern. Eine Sehnsucht nach einer besseren, weniger hässlichen, weniger falschen Welt.

 

Den Bildzyklus ‚Kinder der Freiheit‘ hat Andreas noch in Acryl gemalt, in dem es ihm gelungen war, dieser modernen Technik eine enorme Leuchtkraft zu entlocken. In den letzten zwei Jahren hat er dann zum Malen mit Öl gefunden, was ihm im Malprozess eine neue Qualität eröffnete und mit der er nun seine neue Bildserie ‚Kultur der Destruktion‘ begonnen hat.

 

Andreas empfindet sich selbst als Spätberufener, erinnert sich aber, dass er irgendwie schon immer gezeichnet hat. Anfang der 2000er intensivierte er das Zeichnen – und einige Jahre später fing er ernsthaft mit dem Malen an. Dabei braucht er Musik, seine Musik. So wird das Malen für ihn ein Stück Seelenheil. Umso erstaunlicher ist es, dass seine Bilder sehr still sind, nicht statisch, aber irgendwie ohne Ton. Als wäre die Musik, alles Hörbare aus ihnen entwichen. Eine Ambivalenz, die sich durch die Motive selbst steigert, die teilweise wie die schicksalhaften Tarotkarten anmuten, was sich besonders in den Bildern wie ‚die Gabe‘ oder ‚Schattenfahrt‘ darstellt.

 

In einem seiner jüngsten Werke ‚Zeitloch‘ verarbeitet Andreas die Corona-Krise. Er zeigt die Jugend in der Krise – eingesperrt in einem morbiden, vollgestopften Zimmer. Raum und Zeit lösen sich auf, der einzige Weg nach draußen ist die digitale Welt, in der sich die Jugend verfängt und sich vergisst. Scherben am Boden, verlorene Lebenszeit, die wir nicht genutzt haben.

 

Das Werk von Andreas Heindl ist in sich schlüssig und eine stetige Weiterentwicklung. Dass die Eröffnung seiner Ausstellung nun entfällt ist sehr bedauerlich, aber unterstreicht andererseits die Botschaft seiner Arbeiten – und wie es um uns bestellt ist.

 

Liebe Kunstinteressierte: gehen Sie zur Ausstellung und bekunden Sie damit den Stellenwert, den sie verdient hat!

 

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